Der grundlegende Ansatz der App ist durchaus originell: Man richtet die Kamera auf eine flache Oberfläche und platziert dann virtuell Ziegelsteine, um Türme und andere Strukturen zu errichten. Das Stabilitätsmessgerät, das anzeigt, wie standfest das aktuelle Bauwerk ist, ist konzeptionell gut gelöst und gibt dem Ganzen eine spielerische Rückkopplungsschleife, die tatsächlich motiviert. Auch die Auswahl an verschiedenen Materialien – Ton, Beton, Stein, Holz – und die Möglichkeit, Farben über RGB-Regler individuell anzupassen, sind Features, die ich in dieser Kombination nicht erwartet hätte und die das Erlebnis deutlich aufwerten.
Was mich hingegen erheblich stört, ist die Steuerung des Kran-Controllers. Die Slider für Höhe und Rotation reagieren auf meinem Gerät teilweise verzögert, und bei schnelleren Tippgesten kommt es vor, dass ein Ziegel an einer völlig ungewollten Position platziert wird. Ich habe das auf einem iPhone 14 Pro (iOS 17.3.1) eines Bekannten nachgestellt und dort dasselbe Verhalten festgestellt, was darauf hindeutet, dass es sich um ein softwareseitiges Problem handelt und nicht um ein gerätespezifisches. Für eine App, bei der Präzision beim Platzieren der Bausteine das zentrale Spielelement ist, ist eine träge Eingabeverarbeitung ein substanzieller Mangel.
Die Blaupausen-Bibliothek – also der sogenannte Blueprint Vault – ist inhaltlich gut bestückt und reicht von einfachen Strukturen wie einer Gartenmauer bis hin zu komplexeren Projekten wie einem Uhrturm oder einer Burganlage. Die Schwierigkeitsgrade (Anfänger, Mittel, Fortgeschritten) sind nachvollziehbar beschriftet, und die Fortschrittsanzeige der Tower Challenges gibt einem ein klares Bild davon, wie weit man im Spiel ist. Das Freischalten neuer Materialien durch Fortschritt ist ein klassischer, aber funktionierender Motivationsmechanismus.
Die Fotoaufnahme-Funktion für fertige Bauten funktioniert stabil und liefert ansprechende Ergebnisse, was für eine AR-basierte App keine Selbstverständlichkeit ist. Allerdings hätte ich mir gewünscht, dass man Aufnahmen direkt aus der App heraus teilen kann, ohne den Umweg über die Systemgalerie nehmen zu müssen – das ist ein kleiner, aber spürbarer Komfortmangel.
Insgesamt ist OopsTower eine konzeptionell solide Bau-Simulations-App mit einem gut durchdachten Progressionssystem, die jedoch durch ihre ungenaue Eingabesteuerung unter ihren Möglichkeiten bleibt.